Die Schattenmänner

Während die Solisten alle Aufmerksamkeit auf sich ziehen, werden Begleiter am Klavier oft nur im Nebensatz erwähnt.
Dorothea Walchshäusl traf drei Pianisten, die das ganz anders sehen.

crescendo / Dezember 2014

Es war kurz nach einem Konzert. Zwei Stunden lang hatte Gerold Huber vorne auf der Bühne alles gegeben: Er hatte den Tasten des Flügels die feinsten Nuancen entlockt, er hatte die tiefenpsychologischen Zwischentöne in der Unterstimme herausgekitzelt und mit ungebremster Hingabe musikalische Dramen durchlitten. Lied um Lied ein Genuss, Standing Ovations, Zugabe. Wenige Minuten später: Huber begegnet einem der zahlreichen Gäste im Publikum und wird lange mit rätselndem Blick gemustert. Dann fragend der Gast: „Also irgendwo habe ich Sie ja schon einmal gesehen… kennen wir uns?“ Gerold Huber lacht schallend, wenn er diese Geschichte erzählt, er liebt das Understatement und noch mehr liebt er seinen Beruf...

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Blau sind alle seine Klänge

Der griechische Dirigent und Dandy Teodor Currentzis erobert vom russischen Perm aus die Musikwelt. Mozart setzt er unter Starkstrom. Nun erhält er den Echo-Klassik-Preis

CICERO / Salon / Oktober 2014

Wäre Teodor Currentzis kein Romantiker, er wäre nicht hier. In dieser Stadt, in der noch Hammer und Sichel an den Hausmauern prangen. In der sich die Sonne in der vergilbten Verschalung tristesser Plattenbauten spiegelt. In der grobklotzige Sowjetkunst in den aschgrauen Himmel ragt und im Winter bei durchschnittlichen minus 15 Grad die Abgase in der Luft gefrieren. Bis 1991 war die russische Stadt Perm mit heute knapp einer Million Einwohnern eine verbotene Stadt für Ausländer, sie war Hochburg der Rüstungsindustrie und Heimat von Wjatscheslaw Michailowitsch Molotow. Heute ist sie die Kulturmetropole im Ural und ihre künstlerische Leuchtgestalt heißt Teodor Currentzis.

“Ich bin eine sehr romantische Person, ich bin kein Technokrat”, sagt der Musikdirektor des Permer Opern- und Ballettheaters, nippt am schwarzen Tee und dreht sinnierend den großen Ring an seinem Finger. Sein ganzes Büro atmet den Geist postromantischen Schwärmertums...

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John & Arthur Beare: Erste Adresse für Streichinstrumente

crescendo / Oktober 2014

Das Herz der Firma „J & A Beare“ im schmucken Gebäude in der Londoner Queen Anne Street 30 schlägt im Keller rechts hinten, gleich neben verstaubten Geigenkoffern, gelagerten Holzbrettern und ein paar Pappkartons. „Anti Explosive & Anti-Blowpipe Devices“ prangt dort auf einer tonnenschweren Stahltür, dahinter verborgen schlummern einbruchsicher und wohlbehütet die Kronjuwelen unter den Streichinstrumenten: Celli und Geigen, die so viel kosten wie eine Villa an der Côte d’Azur. „Wir haben Zeiten, in denen lagern hier Instrumente im Wert von 100 Millionen Dollar“, sagt Direktor Steven Smith und lächelt leise, dann streicht er zärtlich über den Hals einer haselnussbraunen Stradivari und legt sie zurück in das schlichte Aufbewahrungsfach. Das fensterlose Kellerloch mit den Holzregalen ist für Smith der wohl „sicherste Ort der Welt“ für derartige Werte, zuhauf liegen und stehen sie hier in diesem Tresor, jedes Ins­trument für sich ein Geniestreich, ein Meisterwerk mit großer Geschichte und einem Klang für die Ewigkeit...

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„Es gab auch Vollkatastrophen“

Interview mit dem Tenor Werner Güra

crescendo / Juni 2014

Tenor Werner Güra ist ein Meister seines Fachs, sensibler Interpret, aber auch kritischer Beobachter des aktuellen Musikbetriebs. Ein Gespräch über Moorleichen bei Haydn, Räubergeschichten bei Wagner und seine ambivalente Beziehung zur Oper...

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Paradiesvogel auf Höhenflug

Georg Ringsgwandl zeigt „Mehr Glanz“ in der Passauer Redoute

Passauer Neue Presse Feuilleton / 3. Februar 2014

Im Dschungel der bayerischen Liedermacherszene ist er der wilde Paradiesvogel. Schillernd ist sein Gefieder, eigenwillig sein Flug, das Vogelhäuschen meidet er ebenso wie den großen Schwarm. Umso weiter reicht sein Blick, umso freier schwingen die Flügel und wenn Georg Ringsgwandl am Samstagabend in der Redoute in großen Kreisen auf die Bühne segelt und in seinem aktuellen Programm „Mehr Glanz“ verspricht, liegt ihm das Passauer Publikum bereits johlend zu Füßen. Ringsgwandl ist Kultfigur, coole Sau, hypersensibler Wahnsinniger und bitterböser Freigeist...

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Joe Cocker krönt Rekord-Festival

Packend ehrliches Schlusskonzert bei Bluetone in Straubing

Passauer Neue Presse Feuilleton / 23. Juli 2013

Seine Stimme klingt, als wäre damit eine Handvoll Kieselsteine glatt geschmirgelt worden. Herb, rau und verwegen kratzen die Vokale im Mundraum, alles ist Kehle, wenn er schreit und alles rasselndes Stimmband, wenn er singt. Seit über 40 Jahren sind diese Stimme und ihr Besitzer Joe Cocker Kult, sie haben Woodstock überlebt, Drogen, Exzesse, Selbstzerstörung und ein knapp halbes Jahrhundert Rockgeschichte...

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Lasst es eini dort ins Herz!

Wie Hansi Hinterseer und das Tiroler Echo Glückseligkeit in der Dreiländerhalle verbreiten

Passauer Neue Presse Feuilleton / 6. Februar 2012

Das echte Leben mit seinen Grauschattierungen und Unwägbarkeiten? Unerwünscht. Zumindest für diese zweieinhalb Stunden am Samstagabend in der Dreiländerhalle, in denen Hansi Hinterseer die Bühne zum Glänzen bringt. 1500 Leute wollen ihr Idol erleben, sie wollen mitschunkeln und mittanzen, frei nach Hinterseers Credo „Schau nach vorn, denn alles wird gut. Und was will Hansi Hinterseer zusammen mit dem Tiroler Echo? Erstens „dass’ds a Gaudi habt’s mit meine Liada“. Zweitens „Miteinanda a guade Zeit“. Und drittens: Einen richtig „bärigen Abend“ natürlich.
Freilich, man ahnt von Anfang an, dass der Schein mitunter ein bisschen trügt...

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Eine begeisternd andere Art von Austria-Pop

Ludwig Hirsch mit „Vielleicht – zum letzten Mal“ in der Dreiländerhalle – Stehende Ovationen

Passauer Neue Presse Lokales / 2. November 2010

Austria-Pop. Das riecht nach Kässpatzen auf der Berghütte, das klingt nach rauhbeinigen Liebesschwüren und Lebensweisheiten zum Mitschunkeln. Eigentlich. Einen aber gibt es, der beim Austria-Pop die Vorzeichen umkehrt und der jetzt, nach 30 Jahren als Liedermacher, mit seinem Programm „Vielleicht – zum letzten Mal“ auch in der Dreiländerhalle musikalische Bilanz gezogen hat. Ludwig Hirsch ist kein Mann der großen Worte, er verzichtet auf jegliche Showeffekte, ja schleicht eher auf der Bühne als dass er auftritt...

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