Kolumne im Deutschen Schulportal / Januar 2026
Lerne ich neue Menschen kennen und nenne ihnen das Alter meines großen Sohns, erhalte ich oft reflexhaft Beileidsbekundungen. Man könnte fast meinen, wir kämpften mit einer kräftezehrenden und hinterlistigen Krankheit. Dabei habe ich doch nur erwähnt, dass mein Sohn 15 ist. „Oje, ein ganz schwieriges Alter!“, heißt es dann oft mit wissendem Blick, immerhin gefolgt von tröstlichen Sätzen à la „Man überlebt es …“ und der allumfänglich geltenden Elternweisheit: „Es ist nur eine Phase.“
Davon abgesehen, dass ich es eine problematische und auch ein bisschen traurige Perspektive auf das Elternsein finde, die verschiedensten Lebens- und Entwicklungsphasen der Kinder möglichst irgendwie durchzustehen und froh zu sein, wenn sie vorüber sind, irritiert mich diese automatische Wertung der Jugendjahre jedes Mal aufs Neue.
Es ist offensichtlich: Die Pubertät hat keinen guten Ruf und ein echtes Imageproblem. „Kleine Kinder, kleine Sorgen; große Kinder, große Sorgen“, lautet eine viel zitierte Binsenweisheit – am allerschlimmsten aber scheinen jene rund acht Jahre zu sein, in denen die gerade eben noch so süßen und aufgeweckten Kinder quasi über Nacht zu unberechenbaren, schlecht gelaunten und von Hormonen überfluteten Wesen mutieren, die sich in ihrem Zimmer verbarrikadieren, jegliche Mithilfe verweigern und stattdessen die Kühlschränke leeressen.
Glaubt man weit verbreiteten Narrativen, ist diese Lebensphase auch für die Pubertiere selbst eine einzige Zumutung...