Intensiver als eine Ehe

NZZ / Januar 2026

Das in der Schweiz beheimatete Trio Concept steht vor dem Sprung auf die grossen Bühnen der klassischen Musik. Der Druck ist immens, die Hoffnung auch. Wie bringen die drei jungen Musiker Kunst und Leben zusammen?

Es gibt Momente, in denen kriecht die Angst in Francesco Massimino hoch und kommt ihm all das unwirklich vor, was gerade passiert. Wenn er zum ersten Mal in der Wigmore Hall auf der Bühne steht zum Beispiel oder wenn sein Name auf einem der Plakate vor dem Wiener Musikverein erscheint. „Dass ich selbst nun an diesen Orten auftrete, kann ich manchmal kaum glauben“, sagt der Musiker, als er spätnachts durch die Baseler Altstadt läuft. Seinen metallicblauen Cellokasten hat er auf den Rücken geschnallt, ein Mann und sein Instrument in optischer Symbiose.

Gemeinsam mit dem Pianisten Lorenzo Nguyen und dem Geiger Edoardo Grieco bildet Massimino das Trio Concept. Für die Saison 2025/26 wurde das italienische Ensemble von der European Concert Hall Organisation als ECHO Rising Star ausgewählt: eine Riesenchance. Mit der Auszeichnung gehen Auftritte an den berühmtesten Konzertorten Europas einher. Von Basel aus reisen die Musiker nach Hamburg, Amsterdam, Stockholm oder Budapest und geben ihr Debut in der Elbphilharmonie, im Concertgebouw oder dem Konserthuset. An all diesen Orten erscheinen sie auf Plakaten, beziehen Hotelzimmer, treffen auf erwartungsvolle Veranstalter und neugierige Zuhörer, betreten Künstlergarderoben, machen Soundchecks machen und geben schließlich für eineinhalb Stunden alles auf der Bühne.

Francesco Massimino, Lorenzo Nguyen und Edoardo Grieco setzen gerade an zum Sprung. Drei Musiker Mitte zwanzig, die in den vergangenen Jahren zusammengewachsen sind zu einem außergewöhnlichen Ensemble. Unter der wachsamen Beobachtung von Agenten und Konzertveranstaltern sind die drei nun dort angelangt, wo die großen Karrieren vieler ihrer Vorbilder begannen. Die Erwartungen und der Druck sind immens. Gleichzeitig gibt es kaum etwas Schöneres, das die jungen Künstler sich vorstellen könnten.

Wie wird jemand zum Spitzenmusiker? Wieviel Zufall, wie viel Plan steckt dahinter? Wie geht es jungen Musikern heute am Beginn ihrer Karriere? Mit welchen Anforderungen sind sie konfrontiert und was müssen sie mitbringen, um in der Welt der Klassik zu bestehen? Und wie hält man das aus, wenn Privatleben und Profession derart eng miteinander verwoben sind? Begleitet man das Trio einige Tage, lassen sich Antworten auf diese Fragen erahnen.

Ein Probenraum in der Hochschule für Musik in Basel. Dunkelgrauer Fußboden, im Zentrum ein Flügel, durch die Fenster an der Decke fällt das Herbstlicht. Mit routinierten Bewegungen haben die Musiker ihre Ipads ausgepackt, Cello und Geige gestimmt und die Notenständer zurechtgerückt. An diesem Nachmittag proben sie Felix Mendelsohn Bartholdys „Klaviertrio Nr. 1 d-Moll op. 49 MWV Q 29“ und Mieczysław Weinbergs „Klaviertrio op. 24“, einen Tag später werden sie mit diesen Werken ihr Debut in der Tonhalle Zürich geben. Für die Wahlschweizer ein großer Schritt.

Eigentlich haben sie die Stücke schon mehrfach aufgeführt. In diesem Moment aber wirkt es so, als würden sie sie zum ersten Mal entdecken. Hochkonzentriert sondieren sie die Töne, brechen oft nach nur wenigen Takten ab, feilen an der Weichheit der Übergänge, singen sich Phrasen vor und spielen einzelne Passagen in Zeitlupe. „Es wäre schön, bei dieser Stelle das Gefühl zu haben, dass da immer noch Raum ist jenseits der Noten“, sagen sie zueinander, oder: „Lasst uns diese Takte hier weniger als Statement spielen, sondern eher suchend“. Die Werke selbst könnten unterschiedlicher kaum sein. Da ist das legendäre Mendelssohn-Trio, hoch emotionale Musik voll betörend dichter Linien und sanglicher Phrasen, die direkt ins Zwerchfell gehen. Und dann ist da das Klaviertrio von Weinberg, ein maximal intensives Stück Musik, das förmlich die Zeit einfriert und mit fahlen pizzicato-Klängen und heftigen Brüchen einen klaustrophobischen Zustand heraufbeschwört. Nachdem die letzten Töne Weinbergs verklungen sind, atmet Massimino hörbar aus. „Nach diesem Stück ist man komplett erschlagen. Jedes Mal wieder“, sagt er und schaut ins Leere. Kurze Stille, dann wird eingepackt. „Nimmst du morgen die Notenständer mit? Und denkst du an die Pässe für England?“, fragt Nguyen Grieco beim Rausgehen. Das schnöde Alltagsgeschäft liegt direkt neben dem emotionalen Ausnahmezustand.

Als vergleichsweise junge Interpreten haben die Drei ein Faible für sperrig-herausfordernde Musik und auch für Uraufführungen. Kern ihres Repertoires aber ist jener Pool an klassischen Triostücken, der bereits von unzähligen renommierten Klaviertrios vor ihnen aufgeführt wurde. Was da noch Neues hinzukommen soll? Die Antwort auf diese blasphemische Frage ist schlicht: alles. Schließlich ringen hier drei Individuen um ihre ganz eigene Sicht auf die Musik und fangen dabei immer wieder ganz von vorne an mit dem Studium der Originalpartitur. „Wir versuchen, die Werke in gewisser Weise neu zu erschaffen“, sagt der Cellist. Die Hauptarbeit geschehe in Probenräumen wie in Basel an mindestens fünf Tagen die Woche, meist öfters.

Bis in den Proben eine gemeinsame Sichtweise gefunden wird, braucht es Zeit und Durchhaltewillen. Die größte Kunst aber liegt darin, das, was man fühlt und wahrnimmt, auch in die passenden Worte zu packen. Wie das geht, mussten die Trio-Mitglieder mühsam erlernen. „Früher war das eine Katastrophe“, sagt Grieco und ständig sei einer von ihnen beleidigt gewesen. Denn auch, wenn die Musik frei nach Victor Hugo letztlich ohne Worte berühren kann, ist Kommunikation doch ein, wenn nicht der entscheidende Faktor auf dem Weg zum harmonischen Zusammenklang. Klar zu sein, aber nicht verletzend. Offen für andere Haltungen und Deutungsansätze, aber gleichzeitig ganz bei sich selbst. In den unzähligen Stunden im Probenraum und hinter der Bühne geht es genau darum – ein verbaler Drahtseilakt. „Mittlerweile haben wir eine eigene Sprache entwickelt“, sagt Nguyen. Eine gewaltfreie Kommunikation für Musiker sozusagen, die Du-Botschaften vermeidet und mit Bildern arbeitet. „Lasst uns an dieser Stelle einmal ein größeres crescendo versuchen“, sagen sie zum Beispiel, oder: „Ich würde diese Takte etwas präsenter spielen, sonst geht der Hörer hier etwas verloren von der Rhythmik her“. Eine „echte Lehre fürs Leben“ sei das, sagt Massimino und grinst.

Dem Cellisten mit den markanten Augenbrauen und dem Dreitagebart wurde die Kunst in die Wiege gelegt. Beide Eltern sind Musiker, mit vier Jahren begann er Cello zu spielen, es folgten Talentförderungen, Vorspiele, Preise. „Die Musik war immer schon da und bald ein wichtiger Teil meiner Identität“ sagt Massimino und bis heute stellt er beinahe alles in ihren Dienst. Von den Triomitgliedern ist er der Musiker mit der ausdrucksstärksten Mimik. Während er auf seinem Instrument Melodien von epischer Weite oder fragiler Wehmut durchdringt, wird sein Gesicht zum Spiegel seiner Ergriffenheit. „Ich muss aufpassen, dass ich vor lauter Energie nicht zu sehr verspanne“, sagt Massimino. Mit der geballten Emotionalität umzugehen und von den heftigen Gefühlen nicht übermannt zu werden, ist für ihn bis heute eine Herausforderung und hat gleichzeitig Suchtpotenzial. „Immer noch tiefer zu gehen“, das treibt ihn an.

Diesen Anspruch, bis ins letzte Detail vorzudringen, teilt er mit seinem Streicherkollegen Edoardo Grieco. Der besonnene Musiker mit dem singenden Geigenton und den schwarzen Locken wählt seine Worte mit Bedacht. Dass er überhaupt zur Musik fand, war dem Zufall geschuldet. In seiner Familie spielte die Musik kaum eine Rolle, ein Freund des Vaters aber war Volksmusiker und Grieco besuchte ein Konzert. „Nach diesem Erlebnis war ich wie gebannt und wollte unbedingt Schlagzeug lernen“, erzählt Grieco. Beim Schnuppertag an der Musikschule aber war der Percussionlehrer krank und Grieco probierte stattdessen die Geige aus. In den folgenden Jahren machte er außergewöhnlich schnell Fortschritte und vertiefte sich in die Literatur. „Grieco kannte schon als Jugendlicher wirklich jedes Stück“, sagen seine Kollegen über ihn. „Ich neige dazu, die Dinge obsessiv zu betreiben“, sagt Grieco selbst, lächelt und zuckt entschuldigend die Achseln. Danach gefragt, wie er mit dem immensen Druck auf der Bühne umgehe, antwortet er schlicht: „Ich bin kein Arzt. Wenn ich eine Note falsch spiele, stirbt niemand“.

Kompromisslose Hingabe und coole Reflexion zugleich – es braucht wohl beides, um zu bestehen in der professionellen Szene. Auch Lorenzo Nguyen, der Pianist mit den schwarzen Haaren und dem klaren Blick, verkörpert beide Seiten und trägt sie als quirliger Kommunikator des Trios nach außen. Und auch bei ihm brachte der Zufall die Musik in sein Leben. Als sie in der Grundschule einmal das Zimmer wechseln mussten, stand dort ein Klavier. Der Mathelehrer klimperte den türkischen Marsch von Mozart und es war um Nguyen geschehen. „Ich hatte noch nie zuvor so etwas Schönes gehört“, erzählt er, und wieder zuhause, eröffnete er seinen Eltern, dass er unbedingt Klavier lernen möchte. Die nächsten Jahre saß er entweder an den Tasten oder spielte Fußball. Musiziert er heute mit dem Trio, sei das kindliche Gefühl von einst in den schönsten Momenten wieder da. „Im besten Fall fühlt sich das an, als ob ich verliebt bin. Es packt meinen ganzen Körper und ich fühle mich dann geleitet durch die Musik, das ist großartig“, sagt Nguyen.

Ob Edoardo Grieco, Francesco Massimino oder Lorenzo Nguyen. Sie alle brennen für das, was sie tun und leben den ständigen Widerspruch, extreme Leidenschaft und Hingabe mit maximaler Professionalität zu vereinen. Für den Alltag bedeutet das Disziplin, „wenig Alkohol, genügend Schlaf, Sport und Yoga“. Die Triomitglieder sind Hochleistungssportler an ihren Instrumenten und viele harte Trainingsjahre liegen hinter ihnen. Kennengelernt haben sich die Drei in ihrem Heimatort Turin am Konservatorium. Mit 13 Jahren spielten sie das erste Mal als Klaviertrio zusammen, sie nannten sich „Trio Chagall“ und schnell wurde die Kammermusik zu ihrem Lebensinhalt. „Wir haben das von Anfang sehr ernst genommen und zweimal die Woche geprobt. Dazu kam der Einzelunterricht“, erzählt Nguyen. An einer Solistenkarriere hatten die Jugendlichen bald kein großes Interesse mehr, zu viel Spaß machte ihnen das gemeinsame Musizieren. Das lag auch an entscheidenden Mentoren und Lehrern, etwa Bruno Giuranna. 2019 schließlich gewann das Trio den zweiten Preis beim Premio Trio di Trieste. Einen ganzen Sommer lang hatten sie dafür jeden Tag geprobt. „Der Preis hat viel verändert“, sagt Massimino. Ebenso wichtig wurde ihre Aufnahme bei der European Chamber Music Academy. In Meisterkursen haben die drei dort „eine komplett neue Welt von Musik entdeckt“, wie Grieco sagt, und realisiert, „dass das, was wir bisher gelernt hatten, nur ein ganz kleiner Teil war, wenn es um Interpretation geht“. In Italien sei es bei der Ausdeutung der Werke vor allem darum gegangen, „noch mehr Passion, noch mehr Poesie“ in den Klang zu bringen. Nun stellten sie, die bislang hauptsächlich nach Gefühl und Intuition gespielt hatten, alles in Frage. Dazu hat auch Hatto Beyerle beigetragen, einer der Gründer des Alban Berg Quartetts, der das Trio privat unterrichtet hat. „Bei ihm haben wir gelernt, dass es immer einen Grund dafür geben muss, warum wir etwas so und nicht anders spielen“, sagt Grieco. Um diesen Weg weiter zu beschreiten, gingen die Drei schließlich nach Basel, um begleitet vom Professor Rainer Schmidt Musik neu zu denken. Für die jungen Musiker war das ein Weltenwandel und „erstmal ein Riesenschock“, wie Nguyen erzählt. „Ich habe gemerkt, dass ich gar nichts kann“, sagt er.

Nicht nur ihr Musikverständnis, auch ihre Beziehung kam in Basel an die Grenzen, nachdem sie zu dritt in eine WG gezogen waren. „Das war der größte Fehler meines Lebens“, sagt Nguyen, lacht laut und steckt sich noch ein Stück Parmesan in den Mund, während Grieco einen großen Topf mit Trüffelpasta auf den Tisch stellt. Es ist der Abend vor dem Konzert in Zürich, Grieco hat in seine neue Wohnung eingeladen. In ihrer WG-Zeit haben die drei nur selten miteinander gekocht, schließlich verbrachten sie ohnehin den ganzen Tag miteinander bei Proben. „Das ist intensiver als in einer Ehe. Eigentlich ist das verrückt“, sagt Massimino. Das Spiel im Trio sei eine Lebensentscheidung und weit mehr als ein Beruf. Um das Ensemble am Leben zu erhalten, haben sich die Musiker in der Krise bewusst dazu entschieden, ihre persönlichen Gefühle und Probleme „so weit wie irgendwie möglich rauszulassen aus dem Trioleben“. „Das ist der einzige Weg“, sagt Massimino, ansonsten wäre die Konzentration dahin. Und Grieco bestärkt: „Wenn wir ein Konzert spielen und es gibt etwas im Kopf, das nicht mit der Musik zu tun hat, sind wir verloren“.

„Der Hauptteil unseres Zusammenseins ist die professionelle Zusammenarbeit. Die Freundschaft ist ein Zubrot“, sagt Nguyen. 100 Prozent Musik. Das ist der Anspruch und das verbindet die Drei bis heute. Was aber, wenn sie einmal Väter sein werden und Ehemänner und Verantwortung tragen für mehr als sich selbst und die Musik? Es sind Fragen, die sie umtreiben und es ist ihnen bewusst, dass ihr Trioleben noch einmal ganz anderen Herausforderungen wird Stand halten müssen.

Vorerst steuern die Musiker unter ihrem neuen Namen „Trio Concept“ die großen Bühnen an. Am Montagnachmittag fahren sie mit dem Zug von Basel nach Zürich. Die Jackets werden an die Bügel am Fenster gehängt, der Cellokasten bekommt einen Extraplatz, in den Koffern ist bereits das Gepäck für England, am nächsten Morgen werden sie nach London fliegen. Nach der Ticketkontrolle klappen die aufstrebenden Künstler routiniert ihre Laptops auf. Nguyen beantwortet Presseanfragen, Grieco kümmert sich um die Flugbuchungen, Massimino macht ein Foto, um es bei Instagram hochzuladen. „Wir wollen zeigen, dass die klassische Welt kein Museum ist und wir ganz normale Leute sind“ sagt er. Das offenbart sich auch jetzt, denn im Alltag jenseits der Bühne und dem Probenraum ist das Ensemble ein ganz profanes Geschäftsunternehmen. Damit zwischen den überirdischen Flageolett-Tönen eines Weinberg und den zu Herzen gehenden Harmonien eines Schubert nicht die ganz praktischen Dinge aus dem Blick geraten, treffen sich die Musiker alle zwei Wochen zu einem Meeting am Küchentisch. „Dann besprechen wir, was aktuell alles ansteht, wer sich um was kümmert und bringen auch Dinge auf den Tisch, die nicht gut gelaufen sind“, sagt Lorenzo. Wo früher Chaos herrschte und sich Missstimmungen über viele Wochen aufstauten, haben sich die drei Musiker mittlerweile Methoden angeeignet, die viel Kraft und Nerven sparen.

Manchmal geht natürlich trotzdem etwas schief. Am Abend vor dem entscheidenden Konzert geht Grieco nervös vorm Eingang der Tonhalle in Zürich auf und ab und zieht an seiner Zigarette. Längst sollte der Soundcheck laufen, doch Nguyen musste nochmal zum Hotel zurück, die vergessenen Anzüge holen. Ein Missverständnis. Jetzt muss es schnell gehen. Angespannt eilen die Musiker durch die menschenleeren Flure, vorbei an Garderoben und Spiegeln, unter Kugelleuchten hindurch und die Treppen hinauf zum Saal. „Solche Orte haben etwas Kühles an sich, so ganz ohne Menschen“, sagt Nguyen. Im Saal schraubt er den Klavierhocker zurecht, Massimino stellt die Handykamera auf und kontrolliert den Akkustand der Ipads. Hochkonzentriert spielen sie Weinberg und Schubert an, dann laufen sie in die Künstlergarderobe. Im Foyer der Tonhalle treffen währenddessen die ersten Besucher ein, nippen am Sekt und studieren das Programmheft. Am Ende wird die kleine Tonhalle zu zwei Dritteln gefüllt sein. Noch ist das Trio ein Geheimtipp.

Die Minuten vor dem Konzert in der Künstlergarderobe. Grieco und Massimino stimmen ihre Instrumente, die Anspannung ist greifbar und jeder der Drei ganz in sich gekehrt. Dann aber wenden sie sich einander zu und erinnern sich daran, worum es geht: die Partitur. Die Emotionen darin. Und das Wichtigste: die Einheit von ihnen und dem Publikum. Es ist ihr Ritual vor jedem Auftritt.

Als der Applaus aufbrandet, betreten erst Grieco, dann Nguyen, dann Massimino die Bühne. „Kammermusik besitzt die Fähigkeit zu sprechen, zu singen und zu tanzen“, wendet sich Nguyen ans Publikum. Anschließend nimmt er am Flügel Platz und es wird dunkel im Saal. Stille, ein Atem, dann erklingt der erste Ton. Was nun geschieht, ist mit Worten nur schwer zu beschreiben. Die Musiker spielen, als gehe es um ihr Leben, tauchen ein in grenzenlose Schönheit und Schmerz bei Schubert und tiefe Finsternis und Frieden zugleich bei Weinberg. Hier erklingt menschliche Kommunikation unterm Brennglas, maximal präsent, leidenschaftlich und reflektiert zugleich. Es ist das Ergebnis von zwölf Jahren Entwicklung und der Grund, warum das Trio Concept nun an Orten wie der Wigmore Hall spielt, dem Wiener Musikverein oder der Tonhalle Zürich. Angst hat Francesco Massimino in diesem Moment keine mehr. „Wir kennen uns nun schon seit so vielen Jahren und vertrauen und beschützen uns gegenseitig“, sagt er. Das gibt ihm die Gewissheit: „Ganz gleich, was die Zukunft noch bringen wird. Wir werden uns dem gemeinsam stellen“.